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Urteil wegen sexuellen Missbrauchs

18 Monate auf Bewährung für den „bösen Onkel“

Landgericht Bad Kreuznach sexueller Missbrauch
Foto: Dirk Eikhorst Urteil im Prozess um den sexuellen Missbrauch eines fünfjährigen Mädchens

Der wegen sexuellen Missbrauchs eines fünfjährigen Mädchens angeklagte Mann aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis ist zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Die 5. Strafkammer am Landgericht Bad Kreuznach folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin, die besonders hervorhob, dass der 66-jährige Mann zuvor ein Geständnis abgelegt hatte.

„Es tut mir alles leid, was passiert ist“, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort. Das Urteil nahm er dann reglos entgegen.

Das Gericht urteilte: Der Angeklagte habe sich des zweifachen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig gemacht. Sein Geständnis sei im Rahmen der Hauptverhandlung überprüft worden und stimme mit den Angaben der Zeugen überein. Die 18-monatige Strafe wird zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt, außerdem muss er 500 Euro an den Kinderschutzbund zahlen.


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„Wir haben die Hoffnung, dass Sie sich die Verurteilung zur Warnung gereichen lassen und keine weiteren einschlägigen Taten mehr begehen“, sagte die Vorsitzende Richterin zum Abschluss ihrer Urteilsbegründung.

2017 hatte der Angeklagte am fünften Geburtstag des Mädchens und bei einer Weihnachtsfeier der Familie „die sich ihm bietenden Gelegenheiten genutzt“, wie es die Staatsanwältin formulierte, um sein Opfer am nackten Gesäß unter der Hose zu streicheln. „Es gibt keine andere Motivation für diese Taten als eine sexuelle“, sagte die Staatsanwältin.

Sie betonte in ihrem Abschlussplädoyer, dass es keine Zweifel an den Vorwürfen des Kindes gebe, das sich von sich aus und ohne äußeren Druck offenbart habe. „Diese Aussageentstehung spricht dafür, dass das Kind die auch wirklich erlebt hat.“

Das Gericht wertete zugunsten des Mannes, dass dieser mit seinem Geständnis dem Opfer erspart habe, die Ereignisse vor Gericht wieder hervorholen zu müssen. Die Staatsanwältin erklärte, dass es zwar eine einschlägige frühere Verurteilung gebe, diese sei aber schon getilgt. „Strafverschärfend muss das sehr junge Alter des Opfers gewertet werden. Je jünger, je wehrloser sind die Opfer“, sagte Vertreterin der Anklage.

Sie bezeichnete eine Bewährungsstrafe als vertretbar, denn die Familie sei durchaus sensibilisiert, der Angeklagte habe ein stabiles Lebensumfeld und er habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er sich über lange Zeit gesetzeskonform verhalten könne.

Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Lutz Mittelbach hatte als Sachverständiger im Gericht die Frage einer verminderten Schuldfähigkeit zu bewerten. Er führte aus, dass er beim Angeklagten weder eine Intelligenzminderung – die wegen der Erkrankung des Mannes an einem Wasserkopf als Kleinkind diskutiert wurde –, noch Schwachsinn, noch eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung erkennen könne.

Auch eine schwere andere seelische Störung, zu der die Pädophilie im Einzelfall zählen kann, könne nicht zur Einschränkung der Schuldfähigkeit herangezogen werden. Zum einen, weil der Angeklagte Beziehungen hatte, aus denen auch Kinder hervorgegangen seien. Zum anderen könne man zwar von einer pädophilen Präferenzstörung ausgehen, diese zeichne sich aber nicht durch den Suchtcharakter aus, der zu immer schwerwiegenderen und in kürzeren Abständen erfolgenden Taten führe.

Dem Angeklagten wurden zahlreiche Weisungen auferlegt: So darf er keinen unmittelbaren Kontakt zu Kindern unter 14 Jahren mehr aufbauen, wenn diese sich nicht in Begleitung von Erwachsenen befinden. Sollten er von Kindern angesprochen werden, so muss er sich sofort entfernen. Außerdem wird es ihm in jedem Fall verboten, Kinder unter 14 Jahren auf den Schoß zu nehmen.

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Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Fall sei vor dem Schwurgericht verhandelt worden. Dies trifft nicht zu.

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